Aktuell zu sehen bis September 21 im Schüür-Garten. Öffnungszeiten auf www.schuur.ch


Gegenstände schaffen Identität.

Die Zusprechung menschlicher Eigenschaften auf Nichtmenschliches gehört heute zum populären Lebensgefühl. Unbelebte, industriell gefertigte Dinge werden mittels Geschichten/ Storytelling emotional aufgeladen, um so das Begehrnis zu wecken, dieses Objekt besitzen zu wollen oder zu müssen. Mit der emotionalen Personalisierung von Objekten will die Industrie Personen an eine Marke oder an ein Produkt binden. Die Objekte werden zu einer Art Fetischismus und so möglichweise temporär identitätsbildend. 

Vor allem Marken haben Sport, Kultur und Events im generellen als geeignete Plattform identifiziert um ihre Marken emotional aufzuladen. Eine kurze Gedankenrecherche genügt da bereits: der PostFinance Top Scorer in der höchsten Schweizer Hockeyliga, die Credit Suisse als Hauptsponsor des Schweizerischen Fussballverbands genauso wie als Sponsor der Swiss Music Awards oder des Zürcher Film Festivals. Das Namingright der Allianz an der Arena in München dient als weiteres bekanntes Beispiel. [1]

Mit der künstlerischen Intervention im Schüür Garten möchte ich nachempfinden, wie ein gewöhnlicher Gebrauchsgegenstand emotional aufgeladen werden kann. 

Situation:

Durch das Covid 19 – Sicherheitskonzept ist in der Schüür ein neuer bespielbarer Raum entstanden: «Trenngräben» zwischen den Zuschauersektoren, die ich als Kunst(zwischen)raum nutze. 
In fünf Vitrinen präsentiere ich alltägliche Gegenstände  und lasse eine Story dazu erzählen. Die Geschichten stehen immer im Zusammenhang mit einem bekannten Musiker, der in den letzten 25 Jahren auf der Schüür-Bühne performt hat. Das Objekt zusammen mit der Story dazu lösen beim Betrachter Emotionen aus. Alle im Schüür Garten gezeigten Objekte sind echt, im Sinne ihrer Existenz. Die Geschichten dazu sind allerdings frei erfunden. Dazu passende Texte von Diego Stocker (Textosteron).

«Der «ästhetische Kapitalismus» definiert sich durch die Steigerung des Lebens, durch die Mittel der Inszenierung und der Herstellung von ästhetischen Werten[2]. Die «ästhetische Ökonomie» ist dafür verantwortlich, dass der Mensch trotz Überfluss nie zufrieden ist. Ein systemgerechtes Verhalten verlangt heute einen extensiven Konsum von Luxusgütern.»

Upload your own thing (Vitrine Nr. 6)

Jeder «Besucher» des Schüür Gartens besitzt mit Sicherheit irgendeinen Gegenstand mit der passenden Geschichte dazu. Die sechste Vitrine ermöglicht eine Interaktion mittels der  Wortwolke Hashtag (#uploadyourobjekt). Ich kann hier mein eigenes emotionsgeladenes Objekt hochladen und einem imaginären Publikum präsentieren. 

Sind die Geschichten, die die Werbeindustrie erzählt, identisch mit der eigenen? Oder findet erst nachträglich, durch meine eigene Geschichte, eine Emotionalisierung des Objektes statt? Die Gelegenheit das nachzulesen ist dank «#» auf Instagram und verschiedenen sozialen Medien gegeben. 


[1] Werbewoche.ch / «Wie Marken emotional aufgeladen werden», 10.2020

[2] Gernot Böhme / «Ästhetischer Kapitalismus»


Kontakt: Roman Hartmann,  Luzern,

Konzept, Idee und Ausführung: Roman Hartmann

Texte: Diego Stocker Textosteron

Inszenierungsort: Schüür Luzern

E-Mai: klick(at)re-cam.ch

© Roman Hartmann, 2020 (www.re-cam.ch)


www.migros-engagement.ch/de

www.stadtluzern.ch/dienstleistungeninformation/3733