Reload 2 (Schüür Luzern & Kleintheater Luzern)

Multimediale Wanderausstellung von Roman Hartmann und Béla Rothenbühler ft. Fetter Vetter & Oma Hommage

Die Ware Kultur muss als solche ihre Konsument*innen finden. Waren finden dann ihre Konsumentin, wenn diese in ihnen einen Nutzen sieht – oder glaubt, in ihnen einen Nutzen zu sehen. Diese Kulturprodukte der Kulturindustrie zielen deshalb nicht auf Gehalt oder auf stimmige Gestaltung der Werkes, sondern richten sich nach ihrer Verwertung und Verwertbarkeit. Die gesamte Praxis der Kulturindustrie übertr.gt das Profitmotiv auf das geistige Gebilde. Eine Strategie dieser Industrie unter vielen ist der Award: Vergeben in wettbewerbsorientierten Shows, in welchen bunt zusammengewürfelte Jurys Däumchen drehen und per Daumenzeichen gute von schlechten Kulturprodukten scheiden. Diese ökonomische Praxis, diese Ware gewordene Kunst greift Reload II auf und an.

Der Luzerner Künstler Roman Hartmann schafft für die Wanderausstellung Reload II fünf solcher Awards — fünf vergoldete Skulpturen für fiktive Preisträger*innen. Alle stellen sie Preise für Pop-Bands dar, die in einer eigentlich dystopischen Zukunft einmal tatsächlich vergeben werden könnten: Der Rex — Award für die beste Titelmelodie einer Hundefutterwerbung. Oder Die Goldene Gummiente — der Anerkennungspreis des süddeutschen Jachtclubs für den entspannendsten Sommersong. Oder den Jägermeister- Kulturpreis für den trinkförderndsten Party- Track. Die Möglichkeiten sind unbegrenzt. Gemeinsam mit dem Luzerner Dramaturgen und Autor Béla Rothenbühler schafft Roman Hartmann also fünf Awards, die zunächst zum 30-jährigen Jubiläum der

Schüür ausgestellt werden und danach auf eine kleine Tournee durch Luzerner Kulturhäuser gehen sollen. Hartmann schafft die Objekte, Rothenbühler schreibt die Begleittexte — und auch auf der Suche nach den prämierten Songs sind sie fündig geworden: Vier Lieder des französischen Musikers Gabriel Cazes und eines des Luzerners David Inauen, die Teil der Theaterproduktion Erato Maxi des Luzerner Kollektivs Fetter Vetter & Oma Hommage waren, werden als preisgekrönte Hits der mittelfernen Zukunft dienen. Wozu neue Kompositionen für Pop- Persiflagen in Auftrag geben, wenn einer der renommiertesten Theatermusiker des deutschsprachigen Raums seine Songs, die in genau diesem Geist geschrieben sind, zur Verfügung stellt? Die fünf Songs der fünf fiktiven Gewinner- *innen dieser Fake-Awards werden von Sabina Brunner (Git), David Inauen (Keys), Gregory Schärer (Bass), Valeria Zangger (Drums) eingespielt und vom Ensemble von Erato Maxi (Lion-Russell Baumann, Manuel Kühne, Marie Schmidt, Julia Sewing) eingesungen. Sie stellen neben Objekten und Texten die dritte Ebene dieser multimedialen Arbeit dar.


Keine Kommentare vorhanden.